Wie acht neue Trends die Zukunft des Einzelhandels bestimmen

Wie acht neue Trends die Zukunft des Einzelhandels bestimmen COVID-19 Corona Virus

Wie acht neue Trends die Zukunft des Einzelhandels bestimmen

1 June 2020

In unserem neuesten Beitrag über die nachhaltigen Auswirkungen des Coronavirus auf den globalen Einzelhandel untersuchen wir acht aufkommende Trends, die über die Zukunft der Branche bestimmen werden.

1. Der Wert ist entscheidend

Die weltweiten Wirtschaftssysteme müssen den Gürtel enger schnallen und die finanzielle Belastung wird bestimmte Verhaltensweisen bei Verbrauchern auslösen. Sie werden nicht nur weniger ausgeben, sondern auch die Möglichkeiten vorhandener Lebensmittelgeschäfte in größerem Umfang nutzen und in ihrem Streben, die Ausgaben zu reduzieren, weniger verschwenderisch einkaufen. Dadurch wird Wert zu einem entscheidenden Faktor bei der Wahl des Geschäfts und der Produkte.

Das wiederum hat erhebliche Auswirkungen auf Retailer und CPG-Marken:

  • Bei Verbrauchern, die auf den Wert achten, werden Eigenmarken und Discountmarken einen starken Anstieg verzeichnen.
  • Nicht lebensmittelbezogene Ausgaben werden stark zurückgehen, da die Budgets kleiner werden und nicht notwendige Einkäufe wegfallen.
  • Discountgeschäfte, die Verbrauchern in einem Geschäft alles Notwendige anbieten („One-Stop Shop“), könnten erhebliche Gewinne erzielen.

 

2. Lokales Einkaufsverhalten bedeutet neue Herausforderungen

Auch wenn die Ausgangsbeschränkungen in einigen Ländern gelockert werden, ist es wahrscheinlich, dass Verbraucher versuchen werden, ihre Einkäufe so nahe wie möglich am eigenen Zuhause zu erledigen. Großmärkte haben Verbrauchern in der ersten Phase der Pandemie die Möglichkeit geboten, Großeinkäufe zu tätigen, doch das Absatzvolumen dieser Formate ist jetzt erheblich zurückgegangen. Stattdessen sind nun kleinere und bedarfsorientierte Geschäfte die erste Wahl für Verbraucher, die lokale Einkaufsmöglichkeiten bevorzugen (oder die noch gezwungen sind, lokal einzukaufen).

Daher:

  • Das Ausgabeverhalten verändert sich, da Verbraucher sich dazu entscheiden, den ganzen Einkauf nahe des eigenen Zuhauses zu erledigen.
  • Einkäufe, die auf mehrere Geschäfte aufgeteilt werden, sind weggefallen, da Verbraucher weniger Geschäfte aufsuchen.
  • Entschlossene Maßnahmen werden notwendig werden, um neue Verbraucher anzuziehen und verlorene Kunden wiederzugewinnen, wenn sich die Situation weiterentwickelt.

 

3. Gastronomische Abenteuer finden in absehbarer Zukunft zuhause statt

Einer von fünf britischen Verbrauchern kocht nun jede Mahlzeit selbst. Vor dem Ausbruch der Pandemie tat dies nur einer von acht Verbrauchern. Auch wenn Restaurants, Cafés und Bars nach und nach wieder öffnen und das Gebot der sozialen Distanzierung etwas gelockert wird, werden viele Verbraucher – vor allem solche in den Hochrisikogruppen – wahrscheinlich weiterhin in der eigenen Küche mit neuen Speisen experimentieren, anstatt sich dem Risiko einer Ansteckung auszusetzen.

Für Retailer bedeutet das:

  • einen größeren Bedarf an frischen und tiefgekühlten Produkten anstelle von Fertigprodukten zu erfüllen.
  • Verbraucher über Online-Plattformen zu informieren und zu inspirieren, neue Rezepte auszuprobieren.

 

4. Gesundheit, Wohlbefinden und Menschlichkeit werden zu neuen Benchmarks

Das Virus hat Verbraucher nicht nur dazu gebracht, mehr für persönliche und haushaltstechnische Hygieneprodukte auszugeben, eine ähnliche Entwicklung ist auch bei gesundem Essen zu beobachten, da Verbraucher versuchen, ihr Immunsystem auf natürliche Weise zu stärken. Die Sorgen erstrecken sich nicht nur auf das eigene Wohlbefinden. In den letzten Wochen gab es Debatten über die Sicherheit und den Schutz der Mitarbeiter in Lebensmittelgeschäften bis hin zur Notwendigkeit, den globalen Fleischkonsum generell neu zu überdenken.

Dieses verschärfte Bewusstsein rund um das Thema Gesundheit bringt Folgendes mit sich:

  • Verbraucher in ihrer neuen Achtsamkeit gegenüber Gesundheit, Ernährung und geistigem Wohlbefinden zu unterstützen.
  • Schwerpunkte verstärkt auf Hygiene und Humanität legen – nicht nur in Bezug auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter und Kunden, sondern auch hinsichtlich Tierschutz in der Lieferkette.

 

5. Der Online-Einzelhandel steht vor einer entscheidenden Wende

Lieferdienste und Click-and-Collect-Dienste sind stark nachgefragt, daher haben viele Retailer ihre Online-Dienste ausgebaut. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass dieser Trend alles andere als kurzlebig sein wird. Es wird zwischen zwei- und viermal häufiger online eingekauft als noch vor der Pandemie und diese Zahl wird mehr durch die Kapazitäten der Retailer beschränkt als durch die Verbrauchernachfrage. Die digitale Wende ist eingeläutet, da Kunden durch die kürzlichen Erfahrungen überzeugt sind, dass Online-Einkäufe auch in Zukunft eine gute Option darstellen werden.

Retailer, die ihre Online-Dienste optimieren möchten, sollten Folgendes berücksichtigen:

  • Erweiterung der Kapazitäten mittels Innovationen für die „letzten Kilometer“, zum Beispiel von Click-and-Collect-Diensten in kleinen Geschäften bis hin zu Partnerschaften mit Dienstleistungsunternehmen wie GrocerKey[1], um das Liefernetzwerk auszubauen.
  • Sicherstellung, dass neue Verbraucher zu regelmäßigen Kunden werden, indem erste Einkäufe erleichtert werden sowie zuverlässig sind und Mehrwert bieten.

 

6. Erwartungen in Bezug auf digitales Wachstum zusammen mit dem Online-Boom

Sparsamkeit und Wohlbefinden stehen an oberster Stelle für Verbraucher und daher werden ihre Erwartungen an Technologie sich nicht auf Online-Kanäle beschränken. Digitale Innovationen, die das Einkaufserlebnis einfacher, schneller, sicherer und so kontaktlos wie möglich machen, werden hoch im Kurs stehen, und Kunden erwarten daher von Retailern, dass sie nützliche und hilfreiche neue Anwendungen bereitstellen.

Schwerpunktbereiche sollten Folgendes beinhalten:

  • Anwendungen zur Planung des Einkaufs, anhand derer Menschenmassen ausgehend von der Anzahl der Kunden im Geschäft vermieden werden können.
  • Kontaktlose Ersatzmöglichkeiten für Gutscheine, Kassenbons, Listen und Bezahlung.
  • Zusätzliche Investitionen in Technologien, die den persönlichen Kontakt reduzieren, wie zum Beispiel Kassen, an denen Verbraucher die Produkte selbst scannen und bezahlen können.

 

7. Das Wohlwollen der Öffentlichkeit darf nicht verschwendet werden

Im Jahr 2020 sind Geschäfte zu etwas Größerem geworden. Verbraucher sehen Supermärkte, Geschäfte und Mitarbeiter nicht mehr als reines Mittel zum Zweck an, sondern als Säulen der lokalen Gemeinschaft – wesentliche Dienstleistungen und unerlässliche Mitarbeiter, die ihnen durch eine noch nie dagewesene Zeit der Krise helfen. Dieses soziale Kapital ist von immensem Wert, doch nur für Retailer, die weiterhin eine unerschütterliche Bereitschaft zeigen, sich für das öffentliche Wohl einzusetzen.

Will man die Macht dieser tiefergehenden Verbindung mit Verbrauchern nutzen, bedeutet dies:

  • eine Erweiterung oder Bewahrung der Aktivitäten zum Wohl der lokalen Gemeinschaften, wie zum Beispiel Lebensmittelausgabestellen („Food Banks“) und Wohltätigkeitsinitiativen.
  • die Unterstützung lokaler und nationaler Lebensmittelerzeuger und Minimierung ihrer Lieferkette im Allgemeinen.

 

8. Marktkonsolidierung wird den Verlauf der nächsten Jahre bestimmen

Durch die eingeschränkte Wirtschaftstätigkeit wird sich der Konkurrenzkampf verschärfen. Wenn die schwächeren Betreiber die Probleme nicht in den Griff bekommen, können größere Retailer wahrscheinlich davon profitieren, indem sie globale Allianzen und Einkaufsgruppen bilden, dank derer sie effizienter arbeiten und wichtige Produkte in größerem Umfang kaufen können. Danach wird eine Zeit der Konsolidierung erwartet, in der große Ketten noch größer werden, da kleinere Konkurrenzunternehmen wegfallen werden.

Um sich auf diese Zeit vorzubereiten, sollten Retailer:

  • sich auf eine Umstrukturierung und Vereinfachung ihres Sortiments konzentrieren, wie in unserem vorherigen Beitrag besprochen.
  • den Grundstein für neue Partnerschaften legen, die einen effizienteren und produktiveren Betrieb ermöglichen.

 

Wenn Sie weitere Informationen über Strategien im Einzelhandel nach der Pandemie erhalten möchten, werfen Sie bitte einen Blick auf unser abrufbares Webinar | Future Outlook: Consumer and Retail shifts for Grocery & Pharmacy post-Coronavirus (Blick in die Zukunft: Veränderungen bei Verbrauchern und im Einzelhandel für Lebensmittelgeschäfte und Apotheken nach dem Coronavirus)

 

[1] GrocerKey ist ein führender Anbieter von Lebensmitteltechnologie im E-Commerce-Bereich und von Dienstleistungslösungen im Geschäft sowie Teil des Investment-Portfolios von dunnhumby Ventures

Global Head of Grocery

Global Head of Retail

  Back to all content